Mittwoch, 28. November 2012

Diese Wunden war'n immer dort, zum Verdecken nützt kein Pflaster der Welt.-

Denn dieses Blut war schon immer dort,
und was uns angeht, gab es nie den Mond, nur die Sonne vor'm Untergehen.
♥


'Du hast es auch nicht so leicht, oder?' 'Was?' Ich schaue zu ihr hoch. Sie deutet auf meine Arme. 'Darf ich mich zu dir setzen?' 'Natürlich.' 'Dein Freund und mein Mann sind auf dem selben Zimmer, du bist doch Jo.'s Freundin, oder?' 'Ja', ich nicke. 'Okay.. Weißt du wie lange wir warten müssen?' Ich gucke auf mein Handy. 'Die Untersuchung dauert noch eine halbe Stunde.' Schweigen. Krankenschwestern laufen an uns vorbei, Ärzte, Patienten, Besucher. Ich starre die Wand an und versuche meine Arme hinter meinem Rücken zu verstecken. Warum musste diese Frau mich die ganze Zeit an angucken?! Nach einer Weile sehe ich zu ihr rüber. Sie weint. Als sie meinen Blick bemerkt, lächelt sie und sagt: 'Es ist eben nicht so leicht.. Mein Mann ist unheilbar an Krebs erkrankt und wird sterben.' Sie weint noch mehr. 'Das tut mir Leid..' Ich weiß nicht, was ich sagen soll. 'Alles was wir noch machen können ist beten und an ein Wunder glauben.' Ich nicke. 'Ich hoffe, er schafft es.' 'Kannst du mir eine Sache versprechen?', fragt sie. 'Was?' 'Lebe dein Leben. Du bist jung. Dein Freund ist jung. Seid glücklich, solange ihr noch könnt. Es kann von einem Tag auf den anderen alles vorbei sein..' 'Ich gebe mir Mühe', antworte ich. Ich stehe auf und will gerade losgehen, drehe mich aber nochmal um und sage: 'Danke. Und alles Gute für ihren Mann.' Auf dem Flur kommt mir ihr Mann entgegen. Ich grüße ihn und sehe ihm nach. Es ist ein seltsames Gefühl, jemanden anzusehen, von dem man weiß, dass er bald sterben wird. Es tut mir so Leid, für ihn, seine Frau und seine Kinder. Ich bete für ihn, dass er es schafft.
Mein Freund war wieder im Krankenhaus. Ein Teil seiner Lunge wurde rausgenommen. Aber er ist seit heute wieder zu hause und es geht ihm gut.

Gewicht: 54,3 kg
Tag 6



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