Montag, 31. Dezember 2012

Berlin.-

'Sicher, dass du nicht mitkommen willst?', frage ich D., der schon seit unserer Ankunft in Berlin in seinem Zimmer sitzt und weint. 'Geh alleine, Hun', antwortet er.
Also mache ich mich alleine auf den Weg zu dem Haus, in dem John früher gewohnt hat. Es ist nicht sehr weit weg, nach einer halben Stunde laufen bin ich da. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber das Haus ist wie jedes andere hier auch. Unschlüssig bleibe ich vor der Tür stehen. Schließlich klingele ich einfach irgendwo und erkläre, ich hätte mich ausgesperrt. Die Tür geht auf und ich laufe durch das alte Treppenhaus nach oben, zu der Wohnung, in der er gewohnt hatte. Dort angekommen setzte ich mich neben die Tür und weine. Ich vermisse ihn so. Warum bist du gegangen, warum? Ich verstehe das nicht. Nach einer Weile höre ich Schritte im Treppenhaus. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit, also bleibe ich einfach sitzen. Ein jüngerer Mann, 25 vielleicht, mit zwei Rewe-Tüten in der Hand, bleibt neben mir stehen und sieht mich an. 'Hallo', sagt er dann. Ich antworte nicht. 'Ich wohne hier, wer bist du?' Wieder keine Antwort. Schließlich kniet er sich neben mich auf den Boden und sagt 'Hey, du weinst ja. Was ist denn?' Keine Antwort. Er steht wieder auf und schließt die Wohnungstür auf. 'Komm doch mit rein und ich mache uns Tee.' Wie in Zeitlupe stehe ich auf und wische mir meine Tränen mit meinem Pulloverärmel weg. 'Ich bin Henry', sagt er und gibt mir die Hand. 'Alina', erwidere ich leise. Er nickt. 'Komm doch mit rein.' Ich bin unsicher. Er könnte gefährlich sein, ich kenne diesen Henry nicht. Plötzlich fängt in der Wohnung ein Baby an zu schreien und kurz darauf steht eine Frau mit einem Kind auf dem Arm in der Tür. Das ist der Moment, in dem ich beschließe, es einfach darauf ankommen zu lassen und ihm zu vertrauen. 'Henry, wer ist das?', fragt die Frau. 'Sie heißt Alina', antwortet er. Sie nickt und geht zurück in die Wohnung. Ein paar Minuten später sitze ich auf einem Sofa, mit einer Teetasse in der Hand. Camilla, Henrys Freundin sitzt neben mir und hält ihr Baby, das Marvin heißt. Kurz darauf setzt Henry sich zu uns und fragt mich 'Warum bist du hier?' 'Wegen John', antworte ich leise. Zunächst sieht er mich verwirrt an, aber dann fällt sein Blick auf etwas hinter mir. Ich drehe mich um und entdecke direkt hinter mir ein Foto, das auf der Fensterbank hinter dem Sofa steht. Auf dem Foto sind Henry und John. Mit zitternden Händen nehme ich es und gucke es mir genauer an. Es muss direkt vor seinem Tod aufgenommen worden sein, Johns Haare sind schwarz und die hatte er sich erst ein paar Wochen davor gefärbt. 'Du kennst ihn?', frage ich Henry. 'Wir haben im selben Haus gewohnt. Er hier und ich gegenüber in der Wohnung. Als er und seine Familie ausgezogen sind, sind Camilla, Marvin und ich in diese Wohnung gezogen und drüben wohnen meine Eltern. Wir waren gute Freunde.' Ich erkläre ihm, warum D. und ich in Berlin sind. Er hört mir gespannt zu und fragt mich, ob er uns die Stadt ein bisschen zeigen darf. Ich vereinbare mit ihm ein Treffen für den nächsten Tag und lasse mir seine Handynummer geben.
Zurück im Hotel erzähle ich D. alles. Während ich erzähle, schaut er mich ungläubig an. 'Ist das in Echt so passiert?', fragt er. Ich nicke. 'Morgen wirst du ihn sehen, ich habe gesagt, wir sind um 9 Uhr an seinem Haus.' 'War das nicht extrem gefährlich, was du da gemacht hattest?' 'Ja schon.. Aber er ist ein Freund von John. Wir können ihm vertrauen.'

Sonntag, 30. Dezember 2012

Warum nicht?.-

'Warum bringen wir uns nicht einfach um?'
'Nein, Jo', antworte ich aus Reflex.
'Und wenn wir es zusammen tun?'
'Nein.'
'Warum nicht?'
'Darum.'
'Darum ist keine Antwort.'
'Weil es nicht richtig ist.'
'Wer bestimmt denn, was richtig und was falsch ist?'
'...'
 
Er hat Recht. Er weiß, dass er Recht hat.
Aber ich kann nicht.
Nicht jetzt.
 
 
 
 
Ich bin in Berlin. Es ist viel passiert, seit heute morgen. Ich werde es Morgen aufschreiben.
 

Donnerstag, 27. Dezember 2012

N.- ♥

Und wenn du deinen kleinen, ein Monat alten Cousin in deinem Arm hältst, er dich mit seinen dunkelblauen Augen ansieht, dich anlächelt und deine Hand dabei ganz festhält, dann weißt du, dass doch noch nicht alles verloren ist. ♥

Dienstag, 25. Dezember 2012

Supermänner.-

'Geht doch schon mal rein. Die anderen sind schon da, ihr seid die letzten', sagt meine Oma. Die anderen? Welche anderen? Ich betrete das Wohnzimmer und finde dort meine gesamte Verwandtschaft versammelt vor. Alles Leute, die ich seit 7 Jahren nicht mehr gesehen habe. Und jetzt sitzen sie da einfach so. Verrückt. Das erste was mir auffällt, ist mein Onkel, der mit meinem kleinen Cousin darüber diskutiert, ob 1. FC Köln oder Eintracht Frankfurt besser ist. Daneben sitzt seine Frau, die sich kein bisschen verändert hat. 'Hey, Alina', sagt mein Cousin und umarmt mich. H, der einzige, den ich in den 7 Jahren gesehen habe. Als ich ihm das letzte mal begegnet bin, habe ich nach einer Party in sein Auto gekotzt, aber das ist eine andere Geschichte. 'Kommst du mit raus?' Ich nicke. Den Rest des Abends stehe ich mit H. draußen auf dem Balkon und rauche. 'Ich mag diese Familientreffen nicht', erzähle ich ihm. 'Nein, ich auch nicht. Vor allem weil sie sich in Echt hassen. Das ganze Jahr über redet niemand von denen miteinander und jetzt tun sie so, als wäre nichts gewesen. Bist du eigentlich immernoch so assozial?' Er lacht. 'Was meinst du mit assozial?' 'Naja, das mit den Partys, den Drogen und so..' 'Musst du grade sagen.. Wer ist den von allen Schulen im Umkreis wegen Alkohol und Drogen geflogen? Wer hat den auf der letzten Party mit mir gekifft? Du bist nicht besser.' 'Aber ich bin ja auch schon 21.' 'Das ist keine Entschuldigung, H. Am besten beschließen wir, uns ab jetzt zu bessern.' Ich halte ihm meine Hand hin. 'Schlag ein.' 'Wirf erst die Kippe weg', sagt er und lacht. 'Sonst bringt das ja nichts.' Ich werfe sie weg. H. schlägt in meine Hand ein. 'Ich verspreche dieses Jahr keine Drogen mehr zu nehmen', sagt er. 'Haha, sehr lustig.'

 


Montag, 24. Dezember 2012

Depression war nie tragbar, doch steht uns so gut.-

Manche von euch werden vielleicht wissen, dass für mich heute außer Weihnachten noch ein besonderer Tag sein sollte. Heute sollte der Tag sein, an dem ich dem Tod gegenüber stehe. Heute wollte ich eine Entscheidung über mein weiteres Leben treffen. Aber wie das Schicksal so will, ist meine kleine Schwester in der Nacht von gestern auf heute ziemlich schlimm krank geworden und ich muss heute den ganzen Tag auf sie aufpassen, während meine Mutter ihre Weihnachtseinkäufe erledigt. Und alleinelassen kann ich sie heute nicht, sie ist nicht umsonst einer der 3 Gründe, warum ich noch lebe. Aber mir bleibt immernoch Berlin.

 
 
By the way, merry gosh dammit fuckin christmas.

Sonntag, 23. Dezember 2012

fuckin afraid.-

'Die Ticket sind erkauft', sagt D. mit seinem üblichen gebrochenen Deutsch. 'Gut', antworte ich. 'Wann geht es denn los?' 'Der Zug fährt 9.30 a.m. am 29.12.' 'So früh?' Ich bin überrascht. Dann hatten wir noch fast 2 Tage Zeit bis Silvester. Er nickt. 'Damit wir noch sehen können wo John gewohnt hatte und allgemein Berlin.' 'Okay.'
Vielleicht war es keine gute Idee, sich genau ein Jahr nach seinem Selbstmord auf die Brücke zu stellen, von der er gesprungen war. Aber diese Idee hatte sich in uns festgesetzt und wir wollten sie unbedingt durchziehen. Wir wollten sehen, wie er gelebt hatte, bevor er zu uns gezogen war. Wir wollten sehen, wo er begraben ist. Wir hatten ihm doch versprochen, ihn niemals zu vergessen.
'D.?' 'Hm?' 'I'm fuckin afraid.' 'C'mon, hun', sagt er und umarmt mich. 'Alles wird gut.'

Vielen lieben Dank für unglaubliche 10000 Aufrufe, ihr seid die Besten! ♥
 
Blogvorstellung:
 
Der erste Blog, den ich euch vorstellen möchte, gehört used. Sie schreibt über Gedanken, Dialoge und Gefühle und denkt über diese Situationen nach. Sie sagt, sie liebt bloggen und ich finde, das merkt man auch an ihren Posts, da sie mit sehr viel Liebe zum Detail und sehr tiefgründig geschrieben sind. Ein Blog, der es wirklich wert ist, gelesen und weiterempfohlen zu werden (:
 
Der nächste Blog, den ich euch gerne etwas näher bringen möchte, gehört Jessica. Ich persönlich mag ihren Blog sehr gerne, weil ihre Posts sehr ausführlich und gut geschrieben sind. Außerdem mag ich die Bilder in ihrem Blog, von denen, wie sie sagt, demnächst auch noch mehr kommen werden. Guckt ihn euch einfach mal an, ich habe nicht zu viel versprochen (:
 
 
 
 
 
 


Donnerstag, 20. Dezember 2012

Ich wollte kein Held für niemanden sein.-

'Ich möchte das Referat gerne mit einer Frage an die Klasse beenden. Wenn ihr an der Stelle dieses Mädchens gewesen wärt, hättet ihr euch selbst umgebracht oder gewartet, bis sie euch umbringen?', sagt sie.
Es geht um ein jüdisches Mädchen zur Zeit des Nationalsozialismus. Sie weiß, dass sie sterben wird und steht nun von der Frage, ob sie dich selbst umbringt oder letztendlich verbrannt wird.
Meine Klasse diskutiert Wege, wie sie dem Tod doch noch aus dem Weg hätte gehen können, während ich in mein Heft male.
'Ich würde mich selbst umbringen', sagt H. 'Aber auf irgendeine Weichei-Methode, wie mit Tabletten.'  'Aber', erwidert M, 'Leute mit psychischen Störungen wollen sterben, weil sie mit ihrem Leben nicht klarkommen. Bei ihr war es anderst, sie musste sterben.' 'Ich finde nicht, dass das was anderes ist..', sagt J.
'Alina? Was würdest du denn machen, du hast dich heute noch gar nicht geäußert?', spricht meine Geschi Lehrerin mich zu meinem Schrecken an. Ich höre auf zu malen, schaue aber nicht von meinem Blatt auf, als ich ruhig erwidere:'Ich würde mich einfach umbringen. Zuerst würde ich mir die Pulsadern aufschneiden, dann Tabletten nehmen und dann irgendwo runterspringen, damit ich auch sicher sein kann, dass ich wirklich sterbe. Ich weiß nicht was ihr alle habt. Klar, zu Verbrennen ist grausam aber ist das nicht egal? Die Schmerzen sind doch vergänglich und wenn man tot ist, spürt man eh nichts mehr.' Als ich aufschaue, sehe ich 27 Gesichter, die mich anstarren.
Sie hatte mich nach meiner persönlichen Meinung gefragt, also was hatte ich falsches gesagt?

 
 
Achja, und morgen werden wir natürlich alle grausam verrecken.