'Sicher, dass du nicht mitkommen willst?', frage ich D., der schon seit unserer Ankunft in Berlin in seinem Zimmer sitzt und weint. 'Geh alleine, Hun', antwortet er.
Also mache ich mich alleine auf den Weg zu dem Haus, in dem John früher gewohnt hat. Es ist nicht sehr weit weg, nach einer halben Stunde laufen bin ich da. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber das Haus ist wie jedes andere hier auch. Unschlüssig bleibe ich vor der Tür stehen. Schließlich klingele ich einfach irgendwo und erkläre, ich hätte mich ausgesperrt. Die Tür geht auf und ich laufe durch das alte Treppenhaus nach oben, zu der Wohnung, in der er gewohnt hatte. Dort angekommen setzte ich mich neben die Tür und weine. Ich vermisse ihn so. Warum bist du gegangen, warum? Ich verstehe das nicht. Nach einer Weile höre ich Schritte im Treppenhaus. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit, also bleibe ich einfach sitzen. Ein jüngerer Mann, 25 vielleicht, mit zwei Rewe-Tüten in der Hand, bleibt neben mir stehen und sieht mich an. 'Hallo', sagt er dann. Ich antworte nicht. 'Ich wohne hier, wer bist du?' Wieder keine Antwort. Schließlich kniet er sich neben mich auf den Boden und sagt 'Hey, du weinst ja. Was ist denn?' Keine Antwort. Er steht wieder auf und schließt die Wohnungstür auf. 'Komm doch mit rein und ich mache uns Tee.' Wie in Zeitlupe stehe ich auf und wische mir meine Tränen mit meinem Pulloverärmel weg. 'Ich bin Henry', sagt er und gibt mir die Hand. 'Alina', erwidere ich leise. Er nickt. 'Komm doch mit rein.' Ich bin unsicher. Er könnte gefährlich sein, ich kenne diesen Henry nicht. Plötzlich fängt in der Wohnung ein Baby an zu schreien und kurz darauf steht eine Frau mit einem Kind auf dem Arm in der Tür. Das ist der Moment, in dem ich beschließe, es einfach darauf ankommen zu lassen und ihm zu vertrauen. 'Henry, wer ist das?', fragt die Frau. 'Sie heißt Alina', antwortet er. Sie nickt und geht zurück in die Wohnung. Ein paar Minuten später sitze ich auf einem Sofa, mit einer Teetasse in der Hand. Camilla, Henrys Freundin sitzt neben mir und hält ihr Baby, das Marvin heißt. Kurz darauf setzt Henry sich zu uns und fragt mich 'Warum bist du hier?' 'Wegen John', antworte ich leise. Zunächst sieht er mich verwirrt an, aber dann fällt sein Blick auf etwas hinter mir. Ich drehe mich um und entdecke direkt hinter mir ein Foto, das auf der Fensterbank hinter dem Sofa steht. Auf dem Foto sind Henry und John. Mit zitternden Händen nehme ich es und gucke es mir genauer an. Es muss direkt vor seinem Tod aufgenommen worden sein, Johns Haare sind schwarz und die hatte er sich erst ein paar Wochen davor gefärbt. 'Du kennst ihn?', frage ich Henry. 'Wir haben im selben Haus gewohnt. Er hier und ich gegenüber in der Wohnung. Als er und seine Familie ausgezogen sind, sind Camilla, Marvin und ich in diese Wohnung gezogen und drüben wohnen meine Eltern. Wir waren gute Freunde.' Ich erkläre ihm, warum D. und ich in Berlin sind. Er hört mir gespannt zu und fragt mich, ob er uns die Stadt ein bisschen zeigen darf. Ich vereinbare mit ihm ein Treffen für den nächsten Tag und lasse mir seine Handynummer geben.
Zurück im Hotel erzähle ich D. alles. Während ich erzähle, schaut er mich ungläubig an. 'Ist das in Echt so passiert?', fragt er. Ich nicke. 'Morgen wirst du ihn sehen, ich habe gesagt, wir sind um 9 Uhr an seinem Haus.' 'War das nicht extrem gefährlich, was du da gemacht hattest?' 'Ja schon.. Aber er ist ein Freund von John. Wir können ihm vertrauen.'
du schreibst echt toll!
AntwortenLöschendanke ♥
LöschenIch mag deinen Blog total:) ..nur eine frage.. wieso ist john gestorben?
AntwortenLöschenstay strong
XOXO <3
danke ♥
Löschener hat sich am 31.12.11 umgebracht