Mein erster Gedanke: 'Er ist tot, ich habe ihn umgebracht.' Aber ich habe doch nichts gemacht. Ich habe ihn nicht erschossen, ich habe ihn nicht erstochen, ich habe ihn nicht erwürgt, ich habe ihn nicht vergiftet. Ich habe ihm lediglich mit Tränen in den Augen erklärt, dass ich solange Pro Ana fortführen werde, bis er aufhört, mich fett zu nennen. Dann ist er mit den Worten 'Ich bin ein schlechter Freund' von meinem Bett aufgestanden und wolle zur Tür gehen, wollte mich verlassen. Und auf halben Weg ist er einfach umgefallen. Einfach so. Und liegen geblieben. Ich bin aufgesprungen und habe mich neben ihn gekniet. Er hat sich nicht mehr bewegt. Seine Augen waren geschlossen. Ich habe ihn geschüttelt, aber er hat nicht reagiert. Dann sah ich das Blut. Das Blut, das durch sein T-shirt nach außen sickerte. Das Blut, das innerhalb von Sekunden meinen Pullover und meine Hände beschmierte. Und ich fing an zu schreien. Ich dachte, er stirbt. Ich war unfähig, irgendetwas zu tun. Er lag immernoch auf dem Boden und rührte sich nicht. Ich stand auf und ging langsam zur Tür. Ich wollte Hilfe holen, irgendetwas Richtiges tun. Als ich mich noch einmal umdrehte, sah ich, dass das Blut verschwunden war. Ich sah an mir herunter, mein Pullover war sauber, meine Hände normal, so wie immer. Ich rannte zu ihn zurück. Das Blut war weg. Einfach weg.
..Entzugs-Halluzinationen. Ein Teil meiner 'Krankheit', bei dem ich mir vorkomme, wie eine Gestörte. Ich realisierte, dass ich mir alles nur eingebildet hatte. Es gab kein Blut. Ich fing an zu heulen. Er wachte wieder auf. Es war so, als wäre nichts gewesen. Niemand war gestorben, nirgends wo war Blut. Nur wir, die immernoch auf dem Boden lagen. Und nicht wirklich verstanden, was in den letzten Minuten passiert war.
Meine Mutter will dass ich zurück in die Psychiatrie gehe. Mal wieder. Meine Oma hat angefangen zu heulen, als sie meine neuen Wunden gesehen hat. Selbst Schuld, wenn sie einfach meine Jacke wegreißt.. Aber mir gehts gut. Den Umständen entsprechend.
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